MoGo - Gottesdienste für Motorradfahrer

Bikergottesdienst  2009

Predigt

Symbol: Horex, Typ „Resident“

Liebe Biker,
es hat ja schon Sitte, dass ich Ihnen zur Ansprache einen Gegenstand mitbringe. Diesmal ist er besonders groß: ein Motorrad. Genauer: Eine Horex. Typ „Resident“.

Motorrad. Schon im Wort „Motorrad“ steckt das Wort „Rad“.
Das Rad ist rund. Wir begegnen dem Kreis oft in der Natur: Die Nester der Vögel sind rund. Der Wind in seiner stärksten Kraft bildet runde Wirbelstürme. Dann die Himmelskörper: Unsere Erdkugel ist rund. Die anderen Planeten sind es auch. Oder schauen wir den Sonnenlauf an: Die Sonne steigt empor und neigt sich in einer Kreisbahn. Ebenso der Lauf des Mondes. Und natürlich: Sonne und Mond selbst sind auch rund.
Das Rad ist auch ein Symbol für die Zeit. Um die Zeit zu messen, haben die Babylonier den Kreis in 360 Grade eingeteilt. Oder: Wir sprechen vom Jahreskreis. Und vom Rad des Lebens. Das Rad symbolisiert Bewegung. Im übertragenen Sinn steht es für Werden und Vergehen. Und für Wiedergeburt.
Die Menschen kennen das Rad seit dem vierten Jahrtausend vor Christus. Vermutlich wurde es an verschiedenen Orten etwa zeitgleich erfunden. Vor Kolumbus war ein Transportmittel mit Rädern in Amerika und Australien unbekannt. Für ein Rad mit Achse gibt es in der Natur kein Vorbild. Das Rad ist eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit.
Die Grundform des Rades ist der Kreis. Der Kreis ist die vollkommene Figur der Einheit. Er hat kein Anfang und kein Ende. Da mag es nicht überraschen: In vielen Kulturen ist der Kreis ein Symbol für die Vollkommenheit, für den Himmel, für die Unendlichkeit, für Gott.
Gott ist wie ein Rad, das meint für mich: Gott ist vollkommen wie ein Kreis. Er ist unendlich, hat keinen Anfang und kein Ende. Er hält alles in Bewegung. Im Kreislauf von Werden, Vergehen und Wiedergeburt. Er ist Dynamik und Wandel. Er ist die Energie, die das All geheimnisvoll durchdringt.
Wenn Sie also auf Ihre motorisierten Räder steigen, dann denken Sie vielleicht das eine oder andere Mal daran: Das Rad ist ein Symbol für Gott. Gleich zweimal sitzen Sie darauf. Gott geht gleich doppelt mit Ihnen auf die Reise!

Beim alttestamentlichen Propheten Jesaja heißt es (Jes 40,3+4):
Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben! Jeder Berg und Hügel sich senken! Zerklüftetes Land soll eben werden! Die schroffe Höhe soll zum flachen Grund werden!
Was sehen Sie vor Ihrem geistigen Auge, wenn Sie diesen Bibeltext hören? Welche Bilder kommen Ihnen dabei?
Vielleicht denken Sie da an Easy Rider? Oder Sie haben ähnliche Gedanken wie dieser träumende Motorradfahrer:
Guter Gott,
manchmal träume ich davon, weit weg zu fahren, z.B. zum Nordkap, eine Expedition zu bestehen nach Afrika oder Indien.
Oder ich träume davon, als strahlender Sieger über den Ring zu heizen, und in der Kurve bestaunt und gefeiert zu werden.
Oder ich träume davon, mit Sozius auf einem Tourer in den Urlaub zu „dampfen", gemächlich und bequem durch reizvolle Landschaft zu gleiten.
Oder ich träume davon, als Chopperfahrer, Peter Fonda gleich, auf Easy-Rider-Schwingen den Wind willkommen zu heißen.“
Motorrad. Ich habe Ihnen heute ein Motorrad mitgebracht, weil das Motorrad für Lebenslust steht. Insbesondere eine Horex.
Kennen Sie das von Ihren Ausfahrten? Sie sind der Natur und Gott ganz nah. Sie sehen herrliche Landschaften. Der Fahrtwind spielt Ihnen um den Körper. Sie freuen sich Ihres Lebens. Sie fühlen sich lebendig, wenn die Hand am Gasgriff ist. Im Einklang von Sonne, Wind und Maschine erleben Sie Freiheit.
Ist das nicht ein Grund, um zu danken? Halten Sie bei Ihrer Fahrt doch einfach an einem wunderbaren Ort an! Betrachten Sie die Natur. Genießen Sie die Schöpfung. Tanken Sie Ihre Seele auf. Atmen Sie die Ruhe ein. - Und danken Sie dem Schöpfer. Er hat alles erschaffen und erhält alles am Leben.

Motorrad. Motorradfahrer brauchen Schutz.
Gott geht mit Ihnen auf die Reise. Er will Sie bewahren und behüten! Der Glaube an Schutzengel ist in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. Ich glaube: Gott schickt einen Schutzengel zu jedem Motorrad. Seine Schutzengel sind rund um die Uhr im Einsatz.

Motorrad. Motorradfahrer brauchen Umsicht.
Nicht alles sollte man dem berühmtesten Horex-Fahrer nachmachen, nämlich der Comicfigur Werner. Werner hält nichts von Geschwindigkeits- und Promillegrenze, genausowenig wie von der Helmpflicht. Dagegen hörten wir vorhin im Psalm: Gott läßt sich nicht dauernd auf die Schippe nehmen. Irgendwann spielt er nicht mehr mit. Wir selbst sind verantwortlich: Für sichere Fahrt. Für weniger Power. Für mehr Aufmerksamkeit. Für mehr Rücksicht. Für mehr Ehrfurcht vor dem Leben anderer.
Um einem Mißverständnis zu begegnen: Der Segen, den ich nachher ausspreche, macht nicht unverwundbar. Der Segen ist kein Freibrief für freie Fahrt. Man darf auch nicht denken: „Gib Gas. Mein Schutzengel wird es schon richten!“
Ja, Gott schickt uns einen Schutzengel. Aber an uns liegt:
Fahre niemals schneller, als Dein Schutzengel fliegen kann.

Liebe Biker,
folgendes Gebet faßt meine Gedanken zusammen. Es paßt gut vor einer Ausfahrt:
Ich will Dich loben, Du Gott des Himmels und der Erde,
der Du die Welt geschaffen hast.
Ich will Dich loben, der Du die Berge und die Seen,
die Wiesen und die Wälder meinem Auge zeigst.
Ich will Dich loben, der Du die Straße vor mir ausbreitest,
die Straße mit dem glatten Asphalt.
Gott, wenn ich den Fahrtwind im Gesicht spüre,
fühle ich Deine erfrischende Gunst.
Wenn ich die Bäume und die Felder an mir vorbeigleiten sehe,
so freue ich mich meines Lebens.
Wenn ich mein Motorrad beschleunige,
so drücke ich meine Lebensfreude aus.

Gott, behüte mich vor Unfall und Gefahr,
bewahre mich vor Leichtsinn und Übermut,
Gott, behüte mich auf der Straße,
bewahre mein Leben vor Unglück und Tod.

Gott, ich will Dich loben auf der Straße,
ich will Dir danken für all das Schöne.
Gott, ich will Dich loben im frischen Fahrtwind,
ich will Dir danken. solange ich lebe.
Amen.

Ansprache und Texte beim Motorradgottesdienst 2009


Rückblick: Bikergottesdienst 2008

An Fronleichnam fand wieder zum Auftakt des Sommerfestes des Motorsportclubs Kirchheim ein Motorradgottesdienst statt. Knapp 200 Personen nahmen am Gottesdienst teil, wobei allerdings die Zahl der Motorräder geringer war als im Vorjahr. Um 11 Uhr fuhr Pfarrer Petracca im Seitenwagen einer BMW ein.
In der Predigt erläutere er anhand eines Vorderrades, weshalb der alttestamentliche Prophet Daniel den göttlichen Thron mit feurigen Rädern beschrieb: „Gottes Thron hat Räder, denn Gott ist Dynamik und Wandel“. Dies dürfe aber nicht so mißverstanden werden, dass man leichtsinnig Gas geben solle. Gott „ist nicht verantwortlich für das, was wir selbst versuchen müssen zu verhindern: Durch sichere Fahrt. Durch weniger Power. Durch den nötigen Tritt auf die Bremse. Durch mehr Umsicht. Durch mehr Rücksicht auf die anderen. Durch mehr Ehrfurcht vor dem eigenen Leben.“
Er ging dann auf die Kreisverkehrswacht Rhein-Neckar ein, die bei diesem Sommerfest ihr 50. Jubiläum feierte. Ihr Motto ist: Sicherheit im Straßenverkehr. Die Kollekte des Gottesdienstes war dann auch für die Verkehrswacht. Musikalisch gestaltete die neugegründete Band 2-Hybrid den Gottesdienst mit Liedern von Wir sind Helden, Juli und Simon & Garfunkel. Den Abschluß des Gottesdienstes bildete die Segnung der Biker, diese bestätigten den Segen und gaben ihr Amen hörbar dazu, indem sie die Motoren aufheulen ließen. Anschließend gab es eine Motorrad-Fronleichnam-Prozession durch Kerche.
Das Sommerfest des MSC ging dann weiter mit einem Motorrad - Geschicklichkeitsturnier, verschiedenen Aktivitäten der Verkehrswacht - insbesondere einem Fahrsimulator - und natürlich war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.


Photos vom Bikergottesdienst

(Zum Vergrößern bitte das Photo anklicken)


                          
                          
                          

Pfr. Petracca feierte am 22. Mai 2008 einen Bikergottesdienst auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz in Kirchheim. Der Gottesdienst mit Segnung der Biker fand im Rahmen des Sommerfestes des MSC und der Verkehrswacht statt.


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