TiGo - Gottesdienst für Mensch und Tier
Aktuell
Rückblick: Gottesdienst für Mensch und Tier 2008
Was ist ein Gottesdienst für Mensch und Tier?
Gottes Bund mit seiner ganzen Schöpfung - Theologische Erwägungen
Rückblick: Gottesdienst für Mensch und Tier 2007
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Rückblick: Gottesdienst für Mensch und Tier 2005
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Der nächste Gottesdienst für Mensch und Tier wird im Sommer 2009 sein.
Rückblick: Gottesdienst für Mensch und Tier 2008
Am einem warmen Sonntagnachmittag, den 22.06., fand der Gottesdienst für Mensch und Tier im schattigen Park des Kindergartens ARCHE statt. Der Gottesdienst war als Familiengottesdienst mit einem Puppenspiel gestaltet, denn
er wurde vom Kindergarten ARCHE mitveranstaltet. Natürlich waren neben Klein und Groß auch
viele Tiere da, auch hier Klein (Katze, Kaninchen, Schildkröte) und Groß: ein Schwein und ein Pferd. Die Mehrheit
bei den Tieren stellten auch in diesem Jahr wieder klar die Hunde...
In seiner Predigt nahm Pfarrer Petracca bezug auf Franz von Assisi, dem Vorläufer des
modernen Tierschutzes und aktualisierte dann:
"Auch wir heute haben Tierschutz dringend nötig. Theodor Heuss sagte einmal: ,Es ist wohl einer der blamabelsten Angelegenheit der menschlichen Entwicklung, dass das Wort - Tierschutz - überhaupt geschaffen werden mußte'.
Tierschutz. Wenn ich dieses Wort hörte, fällt mir nicht artgerechte Tierhaltung ein: industrielle Massentierhaltung, die die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere blockiert. Ein Schwein ist ein Geschöpf Gottes und keine Kiloware Fleisch. Ein Huhn ist ein lebendiges Geschöpf und keine Eierlegmaschine.
Tierschutz. Ich denke an nicht ordnungsgemäße Tiertransporte. Tiere werden rücksichtslos gequält, aus Profitgier.
Tierschutz. Ich denke an unnötige Tierversuche in der Kosmetikindustrie.
Tierschutz. Ich denke an menschliche Willkür. Manche halten sich Haustiere wie Kinderspielzeuge. Wenn sie ihrer überdrüssig geworden sind, setzen sie sie einfach aus.
Tierschutz. Nicht alles hängt an Tierschutzgesetzen. Vieles hängt auch von uns selbst
ab, von unserer Einstellung Tieren gegenüber. Ist sie von Achtung vor dem Leben geprägt?"
Am Ende dieses friedvollen Gottesdienstes wurden die Menschen mit ihren Tieren
gesegnet, der Größe der Tiere nach: zunächst das Pferd und zuletzt die
Schildkröte.
Texte des Gottesdienstes
Predigt des Gottesdienstes
Lesung: 1 Mose 1,1-5.20-25
Wir werden in diesem Gottesdienst Menschen und Tiere segnen.
Als Evangelische segnen wir keine Gegenstände, anders als die Katholiken. Weshalb segne ich dann aber Tiere, so fragen Sie sich vielleicht?
Tiere sind keine Gegenstände. Sie sind Geschöpfe Gottes. So wie wir Menschen auch. Sie haben den Lebensatem Gottes in sich. Sie sind unsere Mitgeschöpfe.
Die Schöpfungsgeschichte erzählt uns, daß Gott die Tiere segnete. Auf ihnen liegt der Segen Gottes, wie auch auf uns Menschen. Diesen Segen Gottes werden wir in diesem Gottesdienst von neuem zusprechen: den Tieren und den Menschen.
Wir hören dazu aus der Schöpfungsgeschichte:
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gott sah, daß das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis,
und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.
Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen, und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen.
Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, daß es gut war.
Gott segnete sie. Er sprach: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und bevölkert das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.
Es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.
Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es.
Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Gott sah, daß es gut war.
Lesung: Sonnengesang des Franz von Assisi
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und die Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn, Bruder Sonne,
der uns den Tag bringt und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz:
von dir, Höchster, trägt er ein Sinnbild.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne,
am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind,
und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch den du die Nacht erleuchtest;
und er ist schön und fröhlich und kraftvoll und stark.
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und hervorbringt mancherlei Früchte, mit bunten Blumen und Kräutern.
Lobet und preiset meinen Herrn
und dankt und dient ihm in großer Demut.
Gebet einer Schnecke
Du weißt, Herr
Ich bin nicht eine der Schnellsten.
Ich trage mein Haus,
habe Stummelfüße,
muß lange nachdenken über den Weg.
Die Augen sehen bis zum nächsten Grashalm.
Vielleicht bin ich manchmal an dir vorübergekrochen
Und habe dich nicht erkannt.
Vergib, Herr,
der du zählst die Schleimspuren im Schotter,
und laß – wenn auch spät –
die Lastenträger, die langsamen,
ankommen bei dir.
Segnung der Menschen und Tiere
Gott,
der du alles aus Liebe geschaffen hast,
segne die Menschen und ihre Hunde.
Schütze sie vor Krankheit und Gefahr.
Laß die Hunde treue Freunde der Menschen sein,
die sie beschützen, wenn Gefahr droht.
Schenke den Menschen Freude an ihren Hunden.
Lege deinen Segen auf sie alle
und verlasse sie nicht.
Gott,
der du alles aus Liebe geschaffen hast,
Segne die Menschen und ihre Katzen.
Schütze sie vor Krankheit und Gefahr.
Laß die Katzen gute Freunde der Menschen sein,
freie Tiere, voller Vertrauen und Zuneigung.
Schenke den Menschen Freude an ihren Katzen.
Lege deinen Segen auf sie alle
und behüte sie.
Gott,
der du alles aus Liebe geschaffen hast,
Segne die Menschen und ihre Hamster, Meerschweinchen, Schildkröten und Hasen
und alle anderen Tiere, die heute hier sind.
Schütze sie vor Krankheit und Gefahr.
Laß die Tiere wichtige Freunde der Menschen sein,
Geschenke Gottes,
die ihnen helfen
und sie durchs Leben begleiten.
Schenke den Menschen Freude an ihren Tieren.
Lege deinen Segen auf sie alle
und begleite sie.
Gott,
der du alles aus Liebe geschaffen hast,
schenke uns Freude an der Schöpfung,
mit ihren Tieren und Pflanzen.
Laß uns die Tieren lieben
und uns um sie sorgen.
Lege deinen Segen auf alle Geschöpfe,
Pflanzen, Tiere und Menschen.
So segne und behüte Euch,
Eure Tiere
und die ganze Schöpfung:
Vater, Sohn und Heiligen Geist. Amen.
Was ist ein Gottesdienst für Mensch und Tier?
Was ist ein Gottesdiensten für Mensch und Tier? Dieser Gottesdienst wendet sich in erster Linie an die Menschen. Er stellt aber in Rechnung, dass Tiere zu unserem Leben gehören, v.a. für Kinder. Aus folgenden ethisch-theologischen Gesichtspunkten bietet die Wicherngemeinde einen Gottesdienst für Mensch und Tier an:
1. Am fünften Schöpfungstag segnet Gott selbst die Tiere (1. Mose 1,22), und zwar vor den Menschen! Tiere sind somit Glieder einer großen Schöpfungsfamilie, wobei der Mensch Verantwortung für das Tier als schwächeres Mitgeschöpf trägt.
2. Ein Gottesdienst mit Tieren macht Sinn, denn in den Psalmen singt die Schöpfung ihrem Schöpfer ein Loblied. Die wilden Tiere, das Vieh, die Kriechtiere und die gefiederten Vögel werden beispielsweise aufgefordert, Gott zu loben (Ps 148,10). Ferner spricht Gott manchmal durch Tiere zu den Menschen (Bileams Esel: 4. Mose 22,28).
3. Auch rettet Gott vor der Sintflut nicht nur Noah und seine Familie, sondern auch die Tiere. Er schließt einen Bund mit allen lebendigen Wesen (1. Mose 9,16). Durch unser Gottesdiensthaus mit dem Namen Arche wissen wir uns dieses Bundes mit der gesamten Schöpfung besonders verbunden.
Aus diesen theologischen Erwägungen segnen wir im „Gottesdienst für Mensch und Tier“ im Anschluss an das Segnungshandeln Gottes Mensch und Tier. Es handelt sich dabei um eine globale Segnung der Menschen mit den Tieren, die zu ihnen gehören, aber um keine Einzelsegnung der Tiere.
Vincenzo Petracca
Gottes Bund mit seiner ganzen Schöpfung - Theologische Erwägungen
Ist Gott nicht ein Gott der Menschen? - Pfarrerin Anne Ressel, Mannheim
Was hat Gott eigentlich mit den Tieren zu tun? Haben Schäferhunde, Goldhamster, Islandponys und Angorakatzen, Hühner und Schildkröten, Guppis und Eidechsen denn eine Seele, in die Gott sein Geheimnis legen könnte?
Hiob bekommt von Gott selbst recht für die Worte, die er gegen seine Freunde über Gott und seine Macht sprach:
„Frage doch das Vieh, das wird dich´s lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir´s sagen oder die Sträucher der Erde, die werden dich´s lehren, und die Fische im Meer, die werden dir´s erzählen. Wer erkennte nicht an dem allen, das in Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt, und der Lebensodem aller Menschen?“
Ist Gott nicht ein Gott der Menschen? Und wer hätte ein Tier schon einmal beten sehen?
Ich will drei Antworten versuchen über Gott und die Tiere und das Recht eines „Gottesdienstes mit Mensch und Tier“:
1. Die Tiere sind wie die Menschen von Gott in den selben Lebensraum hinein geschaffen worden.
Ihnen galt wie den Menschen der erste Segen: Seid fruchtbar und mehret euch ... und füllet das Wasser und die Erde. Tiere leben wie die Menschen davon, dass Gott ihnen seinen Lebensodem einhaucht, und wenn er ihnen seine Lebenskraft entzieht, dann sterben sie.
Vielleicht beten Tiere nicht und glauben nicht wie wir es vermögen – aber ebenso wenig zweifeln sie, wie wir Menschen immer wieder.
Die Tiere sind von Gott her wie wir Menschen, und ob sie zu Gott hin sind, ist für uns dunkel.
2. Was aber unseren eigenen Glauben betrifft, dürfen wir den Tieren dankbar sein.
Denn mit ihrer Würde und Treue, ihrer Liebe und ihrem Vertrauen, ihrer Schönheit und ihrem Wesen erzählen sie uns von Gott und seinen Wundern. Sie sind Abglanz dessen, der sie wunderbar schuf und in ihnen erkennen wir seine Schöpferkraft.
Die Treue eines Hundes, die Eleganz eines Pferdes, die Freiheit einer Katze, die Individualität eines Huhnes, erzählen von Gott. Das seidige Fell, die vertrauenden Augen, das Sich-hineinschmiegen in meine Hände, die Freude am Spiel, all das verweist mich auf das Geheimnis des Lebens. All das erzählt mir etwas von der Freude des Schöpfers an seiner Schöpfung – wie man am prachtvoll geflochtenen Haar des Mädchens die Freude und Liebe der Mutter an ihrem Kind sieht.
So können uns Tiere einen Weg zu Gott weisen.
Das gilt 3. auch im umgekehrten Sinn, denn: Der Gerechte hat Verständnis für sein Vieh, aber das Herz des Gottlosen ist grausam.
Am Umgang mit den Tieren lässt sich unser Zugang zu Gott ablesen und vor Gott gerecht zu sein üben wir immer schon durch unsere Entscheidung für Barmherzigkeit oder Grausamkeit den Tieren gegenüber.
Besonders, wo uns die Tiere als Gefährten zur Seite gestellt sind, wo wir mit ihnen
Lebensraum und Nahrung teilen. Die freudige Begrüßung der Katze, die Zärtlichkeit des Wellensittichs, der einem am Ohr knabbert, die Treue des Hundes, der uns schützt, wenn Gefahr droht, das Pferd, das sich unserer Führung anvertraut, sind Geschenke unseres Gottes, die gegenüber seinen Geschöpfen beantwortet sein wollen.
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